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21.07.2026
Glückliches Finnland
Tourismus profitiert vom «Coolcation-Trend»
Finnland ist mehr als achtmal so gross wie die Schweiz, hat aber nur 5.6 Millionen Einwohner. Zwei Drittel der Bevölkerung leben im Südwesten zwischen Helsinki, Tampere und Turku. Der Tourismus im nordischen Land profitiert vom «Coolcation-Trend» und davon, dass Destinationen abseits des Rummels zunehmend gesucht sind.
Die Finnen gelten als glücklich: Das nordische Land belegt regelmässig einen Spitzenplatz im «Happiness Report», der Punkte wie die psychische Gesundheit, die Lebenserwartung und das Einkommensniveau berücksichtigt. Vielleicht tragen die vielen Saunen zum Glücklichsein bei. Seit 2020 befindet sich die finnische Sauna auf der Unesco-Liste des immateriellen Kulturerbes.
Finnland ist stark vom Wasser geprägt: Die moor- und waldreiche Seenplatte im Südosten führte zum Beinamen «Land der tausend Seen», wobei dies untertrieben ist, denn je nach Zählweise sind es sogar 188'000 Seen – und nochmals mindestens so viele Inseln.
Die Winter sind lang und dunkel, aber wegen zahlreicher Aktivitäten wie Snowmobil-, Husky- und Rentier-Safaris dennoch touristisch interessant. Am nächtlichen Polarhimmel sind die Nordlichter gut zu beobachten.
Finnen verbringen ihre Ferien gerne im Inland, am liebsten im eigenen «Mökki». Dabei handelt es sich um eher spartanische Häuschen in der Natur. Die heissen Sommer in südlichen Ländern führen dazu, dass auch ausländische Touristen kühleren Orten im Norden eine Chance geben. Finnland profitiert zudem von der Sehnsucht vieler Reisenden, weniger überlaufene Gegenden zu besuchen.
Lange war die finnische Hotellerie wenig entwickelt. Inzwischen hat sich jedoch eine stattliche Tourismusbranche herausgebildet, die rund 15 Milliarden Euro umsetzt. Treiber ist der starke Geschäftsreiseverkehr in der Region Helsinki, die wegen der vielen innovativen IT-Unternehmen auch schon als «Silicon Valley an der Ostsee» bezeichnet wurde. 140'000 Finnen arbeiten im Hospitality-Sektor, darunter besonders viele junge Leute.
Der Hotelmarkt wird von grossen Ketten wie Scandic, Sokos Hotels oder der Strawberry-Gruppe dominiert. Individualhäuser spielen eine geringe Rolle. Der Wettbewerb findet vor allem zwischen Markenhotels statt, die stark auf die Digitalisierung und Funktionalität setzen. Self-Check-in ist weit verbreitet.
Die Geschäftsreisenden aus dem eigenen Land, die das wichtigste Nachfragesegment darstellen, erwarten Funktionalität und Verlässlichkeit – nicht unbedingt einen persönlichen Service. Der Freizeittourismus beschränkt sich vor allem auf die Wochenenden und die Ferienzeit.
In Helsinki finden zahlreiche nationale Messen und Kongresse statt. Zwar wurde 2024 ein Neurologenkongress mit 7000 Teilnehmern in der Stadt am Meerbusen durchgeführt, doch der internationale MICE-Tourismus ist eher schwach, was an der peripheren Lage sowie an der Kälte und Dunkelheit in wichtigen Kongressmonaten liegen dürfte.
Das berühmteste Hotel Finnlands ist das «Kämp» in Helsinki. Das 5-Sterne-Haus wurde 1887 von Carl Kämp eröffnet und entwickelte sich rasch zu einem beliebten Treffpunkt in der Hauptstadt. Zu den Gästen zählten unter anderem General Mannerheim und der Komponist Jean Sibelius.
2024 verzeichnete Helsinki 4.55 Millionen Logiernächte in gewerblichen Unterkünften. Dieser Wert liegt 10 Prozent über dem Vorjahr und höher als vor der Corona-Krise. Ein gutes Drittel aller Übernachtungen von ausländischen Gästen entfällt auf die Hauptstadt. Ein starkes Wachstum verzeichnen Fernmärkte wie Japan, China und die USA.
In den letzten Jahren kamen 3000 Hotelzimmer neu auf den Markt. Deshalb liegt die Belegungsrate aktuell nur bei 60 Prozent – 2019 waren es noch 74 Prozent.
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Finnland zieht vermehrt Touristen aus südlicheren Gegenden und aus Fernmärkten an. Visit Finland / Julia Kivelä
Dossier: Tourismus
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